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DER MASSSTAB GOTTES:

30. Juli 2015 - ANDACHTEN

KURZGESCHICHTEN 01 – WILLI HOFFSÜMMER

DATENLINK: Der Maßstab Gottes

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Ein König, so wird aus alter Zeit erzählt, baute Gott zu Ehren einen
schönen Dom. Kein Mensch durfte auch nur eine Mark dafür geben: er
allein wollte alles aus seinem Schatz bezahlen. Mit goldenen Buchstaben
ließ er dann auf eine große Tafel aus Marmor schreiben: Diesen
herrlichen Dom ließ der König ganz allein erbauen. Am nächsten
Morgen waren alle überrascht: da stand nicht mehr der Name des
Königs, sondern der einer armen Frau. Sofort mußte dieser Name
wieder herausgemeißelt und der des Königs eingesetzt werden. Aber am
nächsten Morgen stand wieder zu lesen, diese arme Frau habe den Dom
ganz allein erbaut.

 

Da sah der König ein, daß er in seinem Herz zu stolz gedacht hatte. Er
ließ die arme Frau suchen. Sie trat zitternd vor ihn. »Sag mir die volle
Wahrheit<<, sprach er freundlich zu ihr, hast du doch etwas zum Bau des
Domes hinzugetan, obwohl es verboten war? Da stürzte sich die Frau
zu seinen Füßen und rief: Verzeih, Herr und König, ich muss mir mein
tägliches Brot mühsam durch Spinnen verdienen. Ein wenig hatte ich
gespart und wollte es gerne zur Ehre Gottes geben. Aber ich kannte ja
dein Verbot und fürchtete mich vor der Strafe. Darum kaufte ich ein
wenig Heu und gab es den Ochsen, die die Steine zum Dom zogen. So
hatte ich meinen Wunsch erfüllt und dein Gebot doch nicht übertreten!

Da bereute der König sein falsches Denken und schenkte der Frau so
viel, dass sie von nun an nicht mehr zu arbeiten brauchte.

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